Einzigartige Naturlandschaften gibt es im Mittleren Isartal und dem Kulturraum Ampertal genauso wie attraktive Unternehmen, Bildungseinrichtungen und jahrhundertealte Kultur. Die Region zwischen der Landeshauptstadt München und der Hallertau, dem weltgrößten Hopfenanbaugebiet, gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Landstrichen im Münchner Umland. Immer mehr Menschen arbeiten hier. Immer mehr wollen hier wohnen. Dadurch entsteht aber auch immer mehr Verkehr.
Damit die Lebensqualität auch in Zukunft noch stimmt, haben sich die 18 Gemeinden der integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) „Kulturraum Ampertal“ und der Leader-Aktionsgruppe „Mittlere Isarregion“ 2016 zusammengeschlossen, um zukunftsfähige Lösungen für die Mobilität vor Ort zu finden. Von 2018-2020 wurde im Rahmen eines LEADER-Projektes ein „Integriertes Mobilitätskonzept“ entwickelt, das Verkehr, Wohnen und Umwelt in Einklang miteinander bringen soll. Ziel des LEADER-Folgeprojektes „Interkommunales Mobilitätsmanagement für die MIA-Region“ war es, ausgewählte Teile der im Mobilitätskonzept definierten 40 Maßnahmen und sieben Schlüsselmaßnahmen in die Umsetzung zu bringen.
Infoveranstaltung „Sicher zur Schule – Innerorts Tempo 30 St. 2054“ in Kirchdorf an der Amper

Kinder gehören zu den vulnerabelsten Gruppen auf deutschen Straßen. Wer sie besser schützen und ein höheres Sicherheitsgefühl vermitteln will, muss dort anfangen, wo sie am frühesten und häufigsten am Verkehrsgeschehen beteiligt sind: Auf dem Schulweg. Zum Beginn des neuen Schuljahres hatte die Gemeinde Kirchdorf an der Amper gemeinsam mit team red deshalb zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Dabei ging es um die veränderten Möglichkeiten für Kommunen, die sich durch die Novelle der Straßenverkehrsordnung eröffnen.
Im Fokus stand die Staatsstraße 2054. Am Ortsteingang in unmittelbarer Nähe der Grundschule von Kirchdorf an der Amper sind hier überhöhte Geschwindigkeiten und massiver Schwerlastverkehr an der Tagesordnung. Kirchdorfs Erster Bürgermeister Uwe Gerlsbeck bekräftigte daher die Notwendigkeit, an dieser Stelle für Verkehrsberuhigung zu sorgen. Verkehrsrechtler Dr. Hubertus Baumeister von der Bremer Kanzlei BBG und Partner erläuterte die Möglichkeiten, welche die Novelle der Straßenverkehrsordnung Kommunen bietet. Das geht von Erleichterungen beim Ausweisen von Verkehrsberuhigungen aufgrund einer gesteigerten Gefahrenlage bis hin zu „angemessenen Flächen für Fußgänger:innen“.
Zum Termin waren zahlreiche Bürgermeister:innen der umliegenden Gemeinden angereist. Sie unterstrichen die Relevanz des Themas für ihre Kommunen. Auch Elternvertreter:innen sowie interessierte Eltern folgten den Ausführungen. In der Diskussion zeigte sich, dass die Anwesenden vor allem an rechtlichen Optionen zur Umsetzung von Geschwindigkeitsbegrenzungen interessiert waren.
„Wenn wir zwischen einem großen Gewinn für die Sicherheit und die Lebensqualität in einer ganzen Kommune und einem minimalen Zeitverlust für die persönliche Autofahrt wählen sollen, kann es eigentlich nur eine Entscheidung geben“, erklärt Tobias Kipp, der als Experte für Kommunale Mobilität für team red am Termin teilgenommen hatte. So würde der maximale Zeitgewinn pro 100 Metern bei etwa vier Sekunden liegen. Auf einen Kilometer würde man so lediglich 40 Sekunden sparen und das auch nur bei optimalen Bedingungen. „Es ist ein sehr wichtiger Schritt, dass es nun auch die rechtlichen Grundlagen gibt, Verkehrsberuhigungen leichter umzusetzen“, so Kipp weiter.
Die Veranstaltung fand im Nachgang des LEADER-Projektes „Interkommunales Mobilitätsmanagement für die MIA-Region“ statt, das team red Deutschland zwei Jahre lang federführend betreut hat. Eines der Schlüsselprojekte war der Verkehrsberuhigung gewidmet. Bereits Anfang vergangenen Jahres verabschiedeten 13 der teilnehmenden Gemeinden eine Resolution „Lebenswerte Städte in der MIA-Region durch angemessene innerörtliche Geschwindigkeit“.
Die 18 Kommunen in den Landkreisen Freising und Erding haben viel gemeinsam. Sie bilden eine funktionale Einheit in der Metropolregion München und haben aufgrund der gemeinsamen räumlichen Entwicklung im Bereich der Mobilität mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen:
Die wachsende Zahl und der Ausbau bestehender Unternehmen – mit dem Münchner Flughafen als größtem Arbeitgeber der Region – bedeutet ein Mehr an Pendlern, die täglich innerhalb der Region unterwegs sind. Mehr Einwohnerinnen und Einwohner bedeuten mehr Wege zu Schulen, beim täglichen Einkauf, zum Arzt oder in der Freizeit. Schon jetzt kann man beobachten, dass die Infrastruktur an ihre Grenzen gerät. Kapazitätsprobleme im Bereich Verkehr und Transport sind so vorprogrammiert.
Die Verkehrspolitik und -planung muss den neuen Rahmenbedingungen gerecht werden, aber dennoch die Mobilität der Bevölkerung für private wie gewerbliche Zwecke sicherstellen. Die im Mobilitätskonzept für die MIA-Region benannten 40 Maßnahmen und 7 Schlüsselprojekte sind hierfür sehr gut geeignet und sollen daher schnell in die Umsetzung gehen. Auf dem Weg dorthin gilt es aber, einige Hürden zu nehmen – inhaltlich, kommunikativ, politisch, genehmigungsrechtlich und auch finanziell.
Um aus den theoretischen Vorlagen beschluss- und genehmigungsfähige sowie finanzierte Anträge oder (Geschäfts-)Modelle zu entwickeln, wurde die Innovationsberatung team red Deutschland GmbH mit der Ausarbeitung eines Mobilitätsmanagements beauftragt. Ganz praktisch sollen sich Arbeitsgruppen mit den konkreten Themengebieten beschäftigen, die sich aus Vertreter*innen von Kommunen, Institutionen und Organisationen der MIA-Region zusammensetzen.
Um die Schlüsselmaßnahmen im Rahmen konkreter Projektvorhaben möglichst effizient angehen zu können, wurden Arbeitsgruppen aus Vertreter*innen von Verwaltung sowie verschiedener lokaler und regionaler Akteursgruppen eingerichtet. Ende April 2023 haben sich die Gruppen im Rahmen konstituierender Sitzungen erstmals getroffen und die Auftaktveranstaltung für das Gesamtprojekt vorbereitet, die am 9. Mai in Freising stattgefunden hat. Ausgehend von acht Mobilitätskategorien und den in diesen verorteten Schlüsselmaßnahmen des Mobilitätskonzeptes wurden folgende fünf Arbeitsgruppen aufgestellt: